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Kitzinger Martin
86653 Monheim/
Schwaben

36 Jahre

GEIST AUS MATERIE ?!

 

Themen die den "menschlichen Geist" und dessen neuronalen Grundlagen berühren sind in besonderer Weise dafür geeignet, mit religiösen Vorstellungen zu kollidieren!

 Es sei dahingestellt ob es eine übernatürliche und unsterbliche Seele gibt. Da das ÜBERNATÜRLICHE aber entweder nicht existiert oder sich jeglicher (wissenschaftlichen) Beobachtung entzieht, wäre es sinnlos darüber zu spekulieren, wie sich Bewusstsein, Identität, Wahrnehmung und all die komplexen psychischen Phänomene des menschlichen Erlebens in einem übernatürlichen Gebilde abspielen könnten. Theologen und Esoteriker mögen diesbezüglich vielleicht "Erklärungen" formulieren. Überprüfbar sind sie nicht!

Fakt ist:
 Die Phänomene unseres mentalen Erlebens sind - solange wir als biologische Wesen leben - ebenso zwingend an materielle Vorgänge im Gehirn gekoppelt, wie auch die allgemeinen Lebensfunktionen des menschlichen Körpers (Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, etc.) von organischen und zellulären Prozessen abhängig sind.

Die Hirnforschung liefert bereits heute bahnbrechende Erkenntnisse. Die Zuordnungen zwischen konkreten biochemischen und -physikalischen Vorgängen im Hirn und mentalen (Bewusstseins)phänomenen werden dank raffinierter Untersuchungsmethoden immer präziser!

Man kann in Echtzeit beobachten, wie sich vielfältige natürliche Prozesse innerhalb der Neuralnetze verschiedener Hirnstrukturen abspielen, während sich in unseren Köpfen Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Wünsche, Hoffnungen und dergleichen mehr ereignen! Die Menge, Präzision und Überprüfbarkeit der diesbezüglichen kausalen Beziehungen wächst in atemberaubender Geschwindigkeit!

 Eine "Seele" findet man mit den wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden ebenso wenig, wie man eine Himmelspforte oder den Hofstaat Gottes mit einem Weltraumteleskop  fotografieren kann!  Darüber hinaus findet man aber auch keinen (natürlichen) "Ich-Kern", keine zentrale biologische "Ich-Struktur" oder womöglich gar ein kleines Männlein an einem Schaltpult! Aber das ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht weiter erstaunlich. Nichtlineare, wechselwirkende und rückkoppelnde Systeme haben nun mal die Eigenschaft, Zustände und Phänomene zu erzeugen, die man rückwirkend nicht mehr in ihre Ursachen oder Teilaspekte zergliedern kann. "Bewusstsein ist ein Produkt von Beziehungen, kein Ding oder Ort!" schreiben etwa die amerikanischen Hirnforscher Gamon und Bragdon. Damit erzählen sie aber nichts wirklich Neues! Die Buddhisten sagen schon seit Jahrtausenden: "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!"

Das eigene ICH entspricht wahrscheinlich einer Projektion oder "Spiegelung" aus sich teilweise überlappenden Inhalten und Funktionsmustern verschiedener lokaler Wahrnehmungs- und Assoziationsfelder, deren räumliche Konvergenzzone im präfrontalen Kortex des Stirnhirns liegt. Die Basis des eigenen Existenzempfindens resultiert aus der unablässigen Verknüpfung zahlloser Sinnesinformationen aus dem vegetativen Nervensystem, die sich auf Körper- und Organzustände, deren Schwankungen im Strom der Zeit sowie auf räumliche Positionen von Körper und einzelner Gliedmaßen beziehen (Propiozeption und Viszerozeption).

 Sollte eine Seele wider aller Wahrscheinlichkeit tatsächlich  existieren, dann würden wir nicht deshalb denken und fühlen weil sich materielle Vorgänge in unserem Hirn abspielen, sondern weil diese übernatürliche Seele wie ein unsichtbarer Klavierspieler auf die Tasten der materiellen (Hirn)Strukturen drückt! Die Wissenschaftler würden in dieser Metapher die Zusammenhänge zwischen der Abfolge von gedrückten Tasten und der erklingenden Melodie untersuchen, ohne den Klavierspieler mit in die Rechnung einzubeziehen!

Allerdings: Es existieren keine Beweise für die Existenz dieses Klavierspielers! Auch die sog. "Nahtod-Erlebnisse" sind kein starkes Indiz dafür, da man ihre neuronalen Ursachen zwischenzeitlich teilweise ziemlich konkret, teilweise zumindest ansatzweise kennt und man diese spektakulären Wahrnehmungs-Phänomene ("Schweben", "Lichttunnel", etc.) mitunter sogar experimentell hervorrufen und rational erklären kann!

Anmerkung: Siehe ggf. hierzu auch Menüpunkt "Nahtod-Erlebnisse" unter
"gott-und-wissenschaft.de"

Die aus naturwissenschaftlicher Sicht anzunehmende Nicht-Existenz der Seele empfinden viele Menschen als eine beängstigende Vorstellung. Dieser Sachverhalt würde die gängigen religiösen Heilsversprechen in Abrede stellen und unsere persönliche Existenz als wahrnehmendes Subjekt unwiderruflich auf eine vergleichsweise kurze Zeitspanne limitieren. Andrerseits könnte dieses zeitlich befristete Dasein in einer fernen Zukunft vielleicht mit bis Dato nicht denkbaren Methoden positiver gestaltet werden?! Dann könnten vielleicht nicht nur klassische "Geisteskrankheiten" effektiver behandelt, sondern auch für das Subjekt oder die Gesellschaft destruktive mentale Dispositionen wie etwa geringe Impulskontrolle, fehlendes Mitgefühl und hohe Gewaltbereitschaft gezielt beeinflusst werden?! Natürlich ergäben sich aus einem solchen Szenario wieder anderweitige Problemstellungen: Wer bestimmt darüber, welche Bewusstseinszustände "akzeptabel" sind? Wer hat unter welchen Bedingungen das Recht, persönlichkeitsverändernde Eingriffe an einem Individuum durchzuführen? In dieser Internet-Publikation geht es aber nicht um ungelegte Eier der Zukunft, von denen man derzeit auch nicht wissen kann ob sie jemals gelegt werden (können), sondern um die evolutionsgeschichtliche Vergangenheit des menschlichen Hirns. Der entscheidende Fortschritt jedenfalls, auf den wir alle angewiesen sind, besteht im Wachstum der allgemeinen (insbesondere auch der sozialen und moralischen) menschlichen Erkenntnisprozesse innerhalb einer zunehmenden Zahl an Gehirnen und deren praktischen Umsetzung im Leben!

 

Kitzinger Martin, November 2007

 

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