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Kitzinger Martin
86653 Monheim/
Schwaben

 

GEIST AUS MATERIE ?!

 

Themen die den "menschlichen Geist" und dessen neuronalen Grundlagen berühren sind in besonderer Weise dafür geeignet, mit religiösen Vorstellungen zu kollidieren!

 Ich distanziere mich bewusst von einem militanten Materialismus.
Sollte eine übernatürliche Seele existieren, so wäre sie mit einem unsichtbaren Klavierspieler vergleichbar, der auf den materiellen (Hirn)Strukturen klimpert. Die Wissenschaftler würden in diesen Fall die Zusammenhänge zwischen der Abfolge an gedrückten Tasten und der erklingenden Melodie untersuchen, ohne den Klavierspieler mit einzubeziehen!

Allerdings: Es existieren keine Beweise für die Existenz dieses Klavierspielers! Auch die sog. "Nahtod-Erlebnisse" sind kein starkes Indiz dafür, da man ihre neuronalen Ursachen zwischenzeitlich teilweise ziemlich konkret, zum andern Teil zumindest ansatzweise kennt und diese spektakulären Wahrnehmungs-phänomene ("Schweben", "Lichttunnel", etc.) mitunter sogar experimentell hervorrufen und rational erklären kann!

Anmerkung: Siehe ggf. hierzu auch Menüpunkt "Nahtod-Erlebnisse" unter
"www.gott-und-wissenschaft.de"

 

 Die Phänomene unseres geistig- mentalen Erlebens scheinen ursächlich ebenso zwingend durch materielle Vorgänge im Gehirn bedingt zu sein, wie auch die allgemeinen Lebensfunktionen des menschlichen Körpers (Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, etc.) an materielle Voraussetzungen im Sinne organischer und zellulärer Funktionen gebunden sind.

Die Hirnforschung liefert bereits heute weit reichende Erkenntnisse. Die Zuordnungen zwischen konkreten biochemischen und -physikalischen Vorgängen im Hirn und Bewusstseinsphänomenen werden dank hoch technisierter Untersuchungsmethoden immer präziser!

Man kann in Echtzeit beobachten, wie sich vielfältige natürliche Prozesse innerhalb der Neuronennetze verschiedener Hirnstrukturen abspielen, während sich in unseren Köpfen Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Wünsche, Hoffnungen und dergleichen mehr ereignen! Die Menge, Präzision und Überprüfbarkeit der diesbezüglichen kausalen Beziehungen wächst in beeindruckender Geschwindigkeit!

 Eine "Seele" findet man mit den wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden dabei ebenso wenig, wie man mit Weltraumteleskopen eine Himmelspforte oder den Hofstaat Gottes fotografieren kann! Allerdings findet man auch keinen natürlichen "Ich-Kern", keine zentrale biologische "Ich-Struktur" oder womöglich gar ein kleines Männchen an einem Schaltpult! Das ist aus wissenschaftlicher Sicht aber nicht weiter erstaunlich. Nichtlineare und rückkoppelnde Systeme haben nun mal die Eigenschaft, Zustände und Phänomene zu erzeugen, die man rückwirkend nicht mehr in ihre Ursachen oder Teilaspekte zergliedern kann. Die amerikanischen Hirnforscher Gamon und Bragdon schreiben hierzu: "Bewusstsein ist ein Produkt von Beziehungen, kein Ding oder Ort!" Damit erzählen sie aber nichts wirklich Neues! Die Buddhisten sagen schon seit Jahrtausenden: "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!"

Das eigene ICH entspricht wahrscheinlich einer Art Projektion oder "Spiegelung" aus sich zum Teil überlagernden Inhalten verschiedener lokaler Assoziationsfelder, deren räumliche Konvergenzzone im präfrontalen Kortex des Stirnhirns liegt. Die Grundlage der eigenen Existenzempfindung resultiert aus der unablässigen Verknüpfung zahlloser Informationen aus Sinnesorganen und Impulsen des vegetativen Nervensystems, die sich auf Körper- und Organfunktionszustände, deren Schwankungen im Strom der Zeit sowie auf die räumliche Position des Körpers und einzelner Körperteile beziehen (Propiozeption und Viszerozeption).

 

Die aus streng naturwissenschaftlicher Sicht plausibel erscheinende Nicht-Existenz der Seele empfinden viele Menschen als eine beängstigende Vorstellung. Dieser Sachverhalt stellt gängige religiöse Heilsversprechen in Abrede und limitiert unsere persönliche Existenz als wahrnehmendes Individuum unwiderruflich auf eine vergleichsweise kurze Zeitspanne. Andrerseits könnte dieses zeitlich befristete Dasein in einer fernen Zukunft vielleicht mit bis Dato nicht denkbaren Methoden positiver gestaltet werden?! Vielleicht könnten nicht nur klassische "Geisteskrankheiten" effektiver behandelt, sondern auch mentale Dispositionen gezielt beeinflusst werden, die für das betreffende Subjekt und/oder die Gesellschaft nachteilig sind (etwa geringe Impulskontrolle, fehlendes Mitgefühl, reduzierte Fähigkeit der Verhaltenssteuerung, hohe Gewaltbereitschaft und verabscheuenswerte sexuelle Neigungen)?! Natürlich ergäben sich aus einem solchen Szenario anderweitige Probleme: Wer dürfte darüber urteilen welche Bewusstseinszustände "akzeptabel" sind, bzw. könnten überhaupt "objektive" und von der äußeren Situation unabhängige Kriterien definiert werden (ein Mensch der z.B. seiner Aggression völlig beraubt ist, könnte sich auch nicht mehr gegen Feindseligkeiten wehren)! Wer hätte unter welchen Bedingungen das Recht, Eingriffe an der Psyche eines Individuums durchzuführen? Könnten Menschen missbräuchlich für irgendwelche vorbestimmten Zwecke geistig konditioniert werden? In dieser Internet-Publikation geht es aber nicht um ungelegte Eier der Zukunft, von denen derzeit nieman weiß, ob sie jemals gelegt werden (können), sondern um die evolutionsgeschichtliche Vergangenheit des menschlichen Gehirns. Der wichtigste Fortschritt  jedenfalls besteht im Wachstum der allgemeinen (insbesondere auch der sozialen und moralischen) menschlichen Erkenntnisprozesse innerhalb einer zunehmenden Zahl an Gehirnen und deren praktischen Umsetzung im Umgang mit der Wirklichkeit!

 

Kitzinger Martin, November 2007

 

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